
Speaker / Referent
Marco-Andrea Buchmann
Zalando hat KI nicht erst entdeckt – sie steckt seit 2011 in der DNA. Jetzt kommt das Zeitalter des Agentic Commerce.
Marco-Andrea Buchmann, Chief Data & Product Officer bei Zalando, zeigt, wie Europas grösster Modehändler KI seit 2011 konsequent aufgebaut hat – lange bevor GenAI zum Buzzword wurde. Damals waren es unsichtbare Algorithmen für Lagerverwaltung und Betrugserkennung; heute ist es ein vollständig personalisierter Feed, ein virtueller Ankleidungsraum, ein Trendspotter für 29 europäische Städte und ein Shopping-Assistent mit über 10 Millionen Nutzern (Wachstumsfaktor 20 in einem Jahr). Die entscheidende Grundlage: ein einzigartiger Datenschatz von 60 Millionen Kunden – digitales Gold, das kein anderer europäischer Händler besitzt. Den nächsten grossen Schritt sieht Buchmann im Agentic Commerce: Bis 2030 könnten 50 % des europäischen E-Commerce über KI-Agenten abgewickelt werden. Zalando implementiert bereits das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google und baut seine Discovery Engine aus. Sein wichtigster Rat für alle: Zuerst die Daten aufräumen – wer KI auf chaotischen Daten trainiert, bekommt chaotische KI.
KI war bei Zalando seit 2011 präsent – aber lange unsichtbar. Sie optimierte Prozesse im Hintergrund (Lager, Betrug, Vorhersagen). Das neue Paradigma ist, das Einkaufserlebnis menschlicher zu machen: nicht mehr der Nutzer passt sich der Maschine an, sondern die Maschine passt sich dem Nutzer an.
Zalandos KI-Zeitstrahl: 2013 Lageroptimierung, 2015 Betrugserkennung, 2017 Deep Learning & Computer Vision, 2019 Personalisierung & Outfit-Empfehlungen, 2023 Conversational Assistant, 2025 Virtual Try-On. KI-Kompetenz entsteht nicht über Nacht – sie braucht Jahre konsequenter Investition.
Datenschatz als entscheidender Wettbewerbsvorteil: Zalando besitzt Daten zu Kundenpräferenzen, Körpermassen und Kaufverhalten von 60+ Millionen Kunden in 29 europäischen Märkten. Kein anderer Anbieter in Europa hat vergleichbare Fashion-Daten – das ist das digitale Gold.
Der Zalando Shopping-Assistent wuchs innerhalb eines Jahres um Faktor 20 auf über 10 Millionen aktive Nutzer. Natürlichsprachige Beratung ('Was ziehe ich zur Hochzeit an?') trifft einen echten Bedarf – und die Komplexität der Suchanfragen hat seit 2008 dramatisch zugenommen.
Vier Inspirationsquellen für modernes Shopping (besonders Gen Z): produktbasiert, trendgetrieben, outfit-getrieben (Influencer), anlass-/eventgetrieben. Wer nur Ähnliches empfiehlt, langweilt – wer inspiriert, bindet Kunden. Interessantes Paradox: Kunden wünschen sich Inspiration, kaufen am Ende aber oft genau das, was der Algorithmus zuerst empfohlen hat.
Agentic Commerce: Bis 2030 könnten ~50 % des europäischen E-Commerce über KI-Agenten abgewickelt werden. Zalando bereitet sich aktiv vor: Universal Commerce Protocol (UCP) von Google implementiert, Discovery Engine für Agenten-Auffindbarkeit gebaut. Wer jetzt schläft, wird ein Problem haben.
Mode bleibt ein Sonderfall im Agentic Commerce: Fashion ist Selbstausdruck. Man wird einem Agenten nicht einfach sagen 'kaufe mir ein Outfit für die Hochzeit' ohne es vorher zu sehen – anders als bei Commodity-Produkten. Der Mensch bleibt im Entscheidungsprozess, der Agent ist Assistent.
Wichtigster Rat für KI-Transformation: Zuerst die Daten aufräumen. Buchmann war nach 10 Jahren bei einem quantitativen Hedgefonds schockiert von der Datenlage in klassischen Unternehmen. Garbage in, garbage out – saubere, strukturierte Daten sind die absolute Grundvoraussetzung für funktionierende KI.
“"KI liegt bei Zalando wirklich in der DNA. Wir haben das von Anfang an sehr konsequent verwendet – und das hat sich wirklich bezahlt."”
“"Die ersten Suchanfragen von 2008 bestanden aus einzelnen Wörtern wie 'Pullover Vogue'. Man musste sich der Maschine anpassen. Heute passt sich die Maschine uns an."”
“"Wenn man KI machen will, ist der allererste Schritt: aufräumen. Sonst trainiert man KI auf Müll – und bekommt Müll zurück."”
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