
Speaker / Referent
Michael Brändle
Wer KI prozessorientiert denkt, bleibt im Pilot stecken. Echte Wertschöpfung entsteht erst, wenn Agenten für Ergebnisse verantwortlich sind.
Michael Brändle von Amazon zeigt, warum 88 % der KI-Piloten nie in die Produktion kommen: Unternehmen stecken in der «Pilot Trap» fest, weil sie KI prozessorientiert statt ergebnisorientiert einsetzen. An konkreten Beispielen – einer Schweizer Bank und einer Versicherung – illustriert er den Unterschied zwischen inkrementeller Effizienz und transformativem Wandel. Echte Wertschöpfung entsteht erst mit dem Agentic Shift: Agenten, die autonom entscheiden, Kontext erinnern, echte Aktionen ausführen und mit eingebauter Compliance operieren. Brändle erklärt die vier Bausteine jedes Agenten (Reasoning, Tools, Memory, Guardrails) und zeigt, wie sich die Rolle der Mitarbeitenden von der Execution zur Governance verschiebt. Bei Amazon ist dieser Shift bereits Realität – Development Agents generieren, testen und patchen Code autonom. Sein Appell: Noch heute die Erfolgskriterien definieren und den ersten Agenten bauen.
Die Pilot Trap in Zahlen (Folie): 95 % der Enterprise-AI-Piloten liefern keinen messbaren ROI (MIT Project NANDA, 2025). 88 % schaffen es nie in Produktion (Forrester/Anaconda, 2026). 75 % können ihren Business Impact nicht beweisen (GenAI Zürich Award, 70 Projekte, 2026). Copilot-Assistenten liefern im besten Fall inkrementellen Business-Benefit – der Grund ist strategisch.
Digitale Transformation vs. Agentic Shift: Die alte Frage war «Wie machen wir das Gleiche schneller und günstiger?» – Ergebnis: 10–15 % Effizienzgewinn, linearer Impact. Die neue Frage lautet: «Was wird möglich, wenn ein Agent ein Ergebnis BESITZT?» – Ergebnis: Step-Function Improvement, 40–80 % autonome Completion, neue Services die vorher unmöglich waren.
Process Automation ≠ Agentic Strategy: Ein LLM auf einen bestehenden Prozess kleben ergibt einen teuren Chatbot – nicht mehr. Der Unterschied liegt in der Verantwortung: Process-first bedeutet, der Agent hilft dem Menschen. Outcome Delegation bedeutet, der Agent besitzt das Ergebnis – z.B. «Reduziere Claims-Bearbeitungszeit um 40 %» oder «Löse 80 % der Tier-1-Anfragen autonom».
Die Anatomie eines Agenten besteht aus vier Bausteinen: Reasoning (logisches Planen ohne festes Skript), Tools/Actions (echte Aktionen wie Buchungen und Zahlungen ausführen), Memory/Kontext (Präferenzgedächtnis und RAG für Firmenwissen) und Guardrails (eingebaute Compliance-Grenzen; jede Entscheidung wird dokumentiert).
Organisationswandel in drei Dimensionen: Rollen wandeln sich von Execution zu Governance – Mitarbeitende werden Agent-Trainer, Compliance wird Guardrail-Design, Operations wird Orchestration Architecture. Teams wechseln von Prozess-Ownership zu Outcome-Ownership. Governance wird zum Architektur-Feature: Compliance von Tag 1 eingebaut, nicht als nachgelagerter Kontrollpunkt.
In der Software-Industrie ist der Shift bereits vollzogen – der Rest der Wirtschaft ist dran: Developer Agents besitzen Test Coverage & Defect Reduction (schnellere, sicherere Releases). Security Agents besitzen Vulnerability Remediation in unter 24 Stunden (erkennen, priorisieren, patchen – autonom). DevOps Agents besitzen Deployment Success Rate & Production Health. Die Frage ist: Warum nicht Claims, Research oder Compliance?
Die drei Take-aways zum Mitnehmen (Abschlussfolie): 1) Process Automation ≠ Agentic Strategy. 2) Die richtige Frage stellen: «Welches Outcome soll der Agent besitzen – und woran messen wir Erfolg?» 3) Narrow Scope. Outcomes messen. Skalieren was funktioniert. Teams die eng fokussieren und messen, gewinnen. Immer.
“95 % der Enterprise AI-Piloten liefern keinen messbaren ROI. 88 % schaffen es nie in Produktion. Der Grund ist strategisch – nicht technisch.”
“Process Automation ist nicht Agentic Strategy. Ein LLM auf einen bestehenden Prozess kleben ist ein teurer Chatbot. Nicht mehr.”
“Die richtige Frage lautet nicht: «Wie machen wir das Gleiche schneller?» – sondern: «Was wird möglich, wenn ein Agent ein Ergebnis BESITZT?»”
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