
Speaker / Referent
Sascha Lobo
Selbst wer sich perfekt vorbereitet, kann von der KI-Entwicklung massiv überrascht werden.
Sascha Lobo – Kolumnist beim Spiegel und KI-Erklärer per Podcast – hält seinen Vortrag per Videozuschaltung (familiärer Notfall verhindert die Anreise). Er nimmt zwei oder drei Schritte Abstand von der reinen Technologieperspektive und analysiert KI als umfassenden Veränderungsprozess. Anhand konkreter Beispiele – dem gescheiterten Kartenzeichnen von GPT-5, dem AlphaGo/AlphaZero-Durchbruch und dem Google-Schockmoment Ende 2022 – zeigt er, warum selbst perfekt vorbereitete Unternehmen von der KI-Entwicklung überrascht werden können. Für DACH-Führungskräfte leitet er daraus drei Kernforderungen ab: eine Kultur des Ausprobierens entwickeln, den internen KI-Tüftergeist fördern statt bremsen, und das eigene Domänenwissen als entscheidenden Wettbewerbsvorteil erkennen. Sein Schluss: Die negativen Folgen der KI-Transformation kommen von alleine – für die positiven muss man aktiv arbeiten.
Die 'Gezackte Grenze' (Jagged Frontier): KI-Fähigkeiten sind extrem ungleichmässig. Dieselbe KI meistert eine Aufgabe mit Bravour und scheitert bei einer sehr ähnlichen vollständig. Die Leistung hängt immer von Lerndaten, Kontext (Prompt) und dem präzisen Modell ab.
Selbst Google – mit 15 Jahren Vorbereitung, vierstelligen Milliarden-Investitionen und Nobelpreisträger-Forschern – wurde Ende 2022 von ChatGPT kalt erwischt und musste Code Red ausrufen. Keine noch so gründliche Vorbereitung schützt vor KI-Überraschungen.
AlphaZero schlug AlphaGo (trainiert auf 30 Mio. menschlichen Top-Spielzügen) mit 100:0 – obwohl AlphaZero keinerlei menschliches Erfahrungswissen hatte. Die Lektion: Menschen neigen dazu, den Wert ihrer eigenen Erfahrung massiv zu überschätzen.
Europas Wettbewerbsvorteil liegt in 'Domänenwissen × KI': interne Unternehmensdaten und Branchenwissen, die nicht im Internet stehen. Diese Kombination ist schwer kopierbar und Europas beste Antwort auf US- und China-KI.
Die Präzisions- und Perfektionskultur der Schweiz und DACH ist in der KI-Transformation eine Bremse. Führungskräfte müssen eine Kultur des Ausprobierens und des 'Voranzuscheiterns' entwickeln – 80 %-Lösungen sind akzeptabel, wenn sie schnelles Lernen ermöglichen.
Shadow AI ist Realität: 60–78 % der Schweizer Mitarbeitenden nutzen KI informell bei der Arbeit, viele ohne Wissen der Führung. Unternehmen müssen offizielle KI-Sandboxen schaffen – sonst passiert es unkontrolliert mit Firmendaten.
KI-Suche folgt anderen Regeln als Google: Laut MIT-Studie bevorzugen KI-Suchmaschinen 'Earned Media' (Drittquellen, autoritative Berichterstattung) deutlich stärker als marken-eigene Inhalte. Sichtbarkeit in KI-Antworten muss neu erarbeitet werden.
Die negativen Folgen jeder Transformation kommen von alleine. Die positiven Folgen der KI-Transformation – Effizienz, Innovation, neue Möglichkeiten – müssen aktiv und gemeinsam erarbeitet werden.
“Selbst wenn wir uns perfekt vorbereiten, selbst wenn wir alles darüber wissen, sogar wenn wir in unserer Branche den KI-Fortschritt selbst mitbringen wie Google – selbst dann können wir von der Entwicklung von künstlicher Intelligenz massiv überrascht werden.”
“Alpha Zero hat mit gar keinen menschlichen Erfahrungsdaten Alpha Go besiegt – das System mit 3000 Jahren menschlicher Erfahrungsdaten. Hundert zu null. Der Mensch spielt Go seit 3000 Jahren und hat dieses Spiel immer noch nicht verstanden.”
“Die negativen Folgen von jeder Transformation kommen von ganz alleine. Aber die guten Folgen der KI-Transformation – für die müssen wir gemeinsam intensiv arbeiten.”
Stell eine Frage zu diesem Vortrag